5 Fragen an: Bianca Lugmayr

Heldinnengeschichten.

Wie kam´s zur Einladung an und zur Auswahl der Bilder für MusicaFemina 1020?

Im Zuge meiner Kulturmanagement Ausbildung, die ich im Mai 21 am Institut der Kulturkonzepte abschloss, habe ich die Ko-Kuratorin von MusicaFemina Romana Jakovcic kennengelernt und das geplante Ausstellungsformat im Bezirksmuseum Leopoldstadt hat sofort mein Interesse geweckt. Als Romana dann auf mich zukam und fragte, ob ich für diese Ausstellung 3 Porträts von NS verfemten Künstlerinnen machen möchte, war sofort klar, das mache ich.

Das Sichtbarmachen von weiblicher Kunst und Künstlerinnen ist im Moment ein wichtiges Anliegen in meinem künstlerischen Schaffen. In den letzten Jahren habe ich einige Künstlerinnenporträts genäht und es hat mich immer wieder zutiefst berührt wie ich Ähnlichkeiten zu meinem Leben in deren Biografien entdeckte.

Wie sehr willst du die Lebensgeschichte der Frauen kenne, die du künstlerisch umsetzt? Was Interesse dich daran? Was lernst du aus deren Karrieren?

Bei der Auswahl der Porträtvorlagen gehe ich immer nach Gefühl, dem Ausdruck im Gesicht, eine Traurigkeit und Tiefe im Blick, Charisma das man nur durchs Leben erhält.
Erst dann beschäftige ich mich näher mit der Biografie, und immer entdecke ich spannende Details, brutale Schicksalsschläge, Heldinnengeschichten. Und dann wird mir klar, warum mich diese alte Photographie so angezogen hat und dass ich durch meine Arbeit, wieder andere Frauen erreichen kann, berühren kann, bestärken kann ihren Weg zu gehen, ihre Heldinnengeschichte zu schreiben.

Wie verändert sich die Frau während der künstlerischen Arbeit?

Es kann in manchen Momenten verdammt hart sein, als Künstlerin an sich zu glauben, weiterzugehen, zu erschaffen, monetär sich und den Kindern ein gutes Leben zu ermöglichen. Vor allem auch den hohen Wert in der eigenen Kunst und den Wert als Person und Frau selbstbewusst in einer so männlich dominierten (Kunst)Welt zu erkennen, zu zeigen und hinausstrahlen zu lassen. Manchmal gelingt es mir, oft noch nicht – trotzdem bin ich stolz.
Es gibt so viele unglaubliche Künstlerinnen aus der Vergangenheit, die noch größere Hürden zu nehmen hatten, und das inspiriert und beeindruckt und gehört „ans Licht geholt“. Wie auch der Titel der Ausstellung von MusicaFemina ist „Vom Schatten ans Licht“.

Wie arbeitest du? Welche Schritte, welche Auswahl der Mineralien?

Für diese Porträts habe ich zuerst die Bilder mittels eines Druckes auf halbtransparentes Leinen gedruckt, Teile wieder entfernt, mit Aquarellfarbe übermalt und mit der freien schnellen genähten Linie gespielt. Collagenartig habe ich Papierelemente und Text und Liedfragmente hinzugefügt. Als Material habe ich halbtransparentes hochwertiges Leinen gewählt. Ich liebe das Material, es bringt Leichtigkeit, Zartheit und Eleganz.

Woran arbeitest du jetzt?

Zur Zeit arbeite ich an meiner nächsten Solo Ausstellung im Dezember 2021 im Kollektiv, einem Ausstellungsspace in Bregenz. Es wird eine Mischung aus Porträts Vorarlberger Künstlerinnen verwoben mit Selbstbildnissen von mir und meinen Weg in ein selbstbestimmtes Leben als Künstlerin. Besonders freue ich mich auf meine Residenza d’Artista in Castagno di Piteccio, eine zweiwöchige Künstlerinnenresidenz im September 2021 in der Toskana, wo ich ein Textilobjekt machen werde ähnlich Gebetsfahnen, die in den Bäumen hängt und genähte Worte in den Wind tragen.

Meine achtjährige Tochter Paula und ich sind Teil der Sammelausstellung des Feministivals in Feldkirch – ein Festival feministischer Künstlerinnen (www.feministival.org), das von 3.-5.9.2021 stattfindet. Es ist viel zu tun im Moment, viele aufgeschobene Projekte werden jetzt realisiert und ich fühle Lebendigkeit, Dankbarkeit und kleine Anzeichen eines positiven Wandels in Kunst und Kultur. Das freut mich sehr.

www.biancalugmayr.com

Irene Suchy

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